Nach dem Roman von Bernhard Schlink

Ende der 1950er Jahre lernt der 15-jährige Michael Hanna kennen. Sie ist 36. Aus der anfänglichen Erregung, dem ersehnten und doch unerwarteten Liebesakt, entwickelt sich eine Beziehung, die für beide zu einem Schlüsselerlebnis wird, das sie Jahrzehnte prägt. So regelmäßig sie miteinander schlafen, so wichtig ist Hanna, dass Michael ihr aus literarischen Werken vorliest, die er einerseits in der Schule behandelt, die sie ihm andererseits vorschlägt. Er wird zu ihrem Vorleser. Und sie wird zu der Instanz, an der er sich orientiert. Bis sie plötzlich verschwindet. Als Michael sieben Jahre später als Jurastudent einen Kriegsverbrecherprozess gegen ehemalige Wärterinnen eines Außenlagers des KZ Auschwitz besucht, entdeckt er Hanna unter den Angeklagten. Er begreift erst jetzt, dass sie Analphabetin ist und dass sie deshalb eine der ihr zur Last gelegten Taten nicht begangen haben kann. Doch Hanna schweigt vor Gericht. Michael könnte eingreifen, er könnte sie retten – und tut es nicht.
Bernhard Schlinks 1995 erschienener Roman „Der Vorleser“ um die komplexen Fragen von Schuld und Verantwortung in der Folge des Holocausts ist ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts. Mit diesem Roman, der bis heute in über 50 Sprachen übersetzt und von Stephen Daldry mit Kate Winslet und David Kross in den Hauptrollen verfilmt wurde, gelang Schlink der Durchbruch als Schriftsteller.
Bernhard Schlink lehrte von 1982 bis 2009 als Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie in Bonn, Frankfurt, Berlin und New York. Daneben war er von 1988 bis 2006 als Richter am Verfassungsgerichtshof des Landes Nordrhein-Westfalen tätig. Vor dem Bundesverfassungsgericht trat er mehrfach als Verfahrensbevollmächtigter und Gutachter in Erscheinung, u. a. in Verfahren zur ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl und zum Schwangerschaftsabbruch. Nach seiner Emeritierung konzentrierte Schlink sich auf seine schriftstellerischen Arbeiten. Heute ist er einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Romanautoren.

Produktion: Westfälisches Landestheater
Bühnenfassung: Mirjam Neidhart
Regie: Pia Böhme
Ausstattung: Rabea Stadthaus
Mit: Guido Thurk, Arikia Orbán, Tobias Schwieger, Mike Kühne, Lesley-Ann Eisenhardt

Foto: Volker Beushausen

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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