"Heimsuchung"
Lesung und moderiertes Gespräch
Ein Haus an einem märkischen See. Fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte. Und zwei Künstlerinnen, die einen der bedeutendsten deutschsprachigen Romane der Gegenwart erstmals gemeinsam auf die Bühne bringen.
Jenny Erpenbeck, Trägerin des International Booker Prize, zählt zu den international wichtigsten literarischen Stimmen unserer Zeit. In ihrem vielfach ausgezeichneten Roman „Heimsuchung“ erzählt sie nicht die Geschichte einer einzelnen Familie, sondern die eines Ortes. Ein Sommerhaus am See wird zum stillen Zeugen deutscher Geschichte. Generationen kommen und gehen, Eigentümer wechseln, Leben beginnen und enden. Menschen lieben und verlieren, fliehen, schweigen und erinnern. Aus ihren Schicksalen entsteht ein eindringliches Panorama über das 20. Jahrhundert, in dem sich persönliche Lebensgeschichten und historische Umbrüche untrennbar miteinander verweben.
Mit großer poetischer Kraft und beeindruckender historischer Präzision entfaltet Erpenbeck eine Erzählung über Erinnerung und Vergänglichkeit, Heimat und Enteignung, Schuld und Verantwortung, Zufall und Schicksal. „Heimsuchung“ gilt heute als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Romane der Gegenwart. Für viele Abiturientinnen und Abiturienten ist das Buch noch mit den Deutschprüfungen dieses Jahres verbunden. Das Harbour Front Literaturfestival bietet nun die Gelegenheit, den Roman neu zu entdecken, frei von Prüfungsdruck und als das, was er längst geworden ist: ein moderner Klassiker der deutschsprachigen Literatur.
Martina Gedeck, eine der renommiertesten Schauspielerinnen Deutschlands, leiht dem Roman ihre Stimme und liest ausgewählte Passagen. Mit ihrer feinen, nuancierten Interpretation macht sie Erpenbecks poetische Sprache unmittelbar erfahrbar. Im anschließenden Gespräch begegnen sich Autorin und Schauspielerin, um über die Entstehung des Romans, seine internationale Wirkung und seine überraschende Aktualität zu sprechen. Ein besonderer Anlass dafür: Nur wenige Tage nach diesem Festivalabend feiert die Verfilmung von „Heimsuchung“ unter der Regie von Volker Schlöndorff ihren Kinostart. Martina Gedeck übernimmt darin eine der Hauptrollen und bringt den Roman damit nicht nur auf die Bühne, sondern auch auf die Leinwand.
Ein außergewöhnlicher Festivalabend über Literatur und Film, Erinnerung und Geschichte, Verlust und Hoffnung. Und über die Frage, wie Geschichten vergangener Generationen unser Leben bis heute prägen.
Jenny Erpenbeck erhielt 2024 den International Booker Prize für ihren Roman „Kairos“. Zu ihren wichtigsten Werken zählen außerdem „Heimsuchung“, „Gehen, ging, gegangen“ und „Aller Tage Abend“. Ihre Bücher erscheinen in zahlreichen Sprachen und gehören zu den international meistdiskutierten Werken der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Martina Gedeck zählt zu den bedeutendsten Schauspielerinnen Deutschlands. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem mit „Das Leben der Anderen“, „Der Baader Meinhof Komplex“, „Elementarteilchen“ und zahlreichen internationalen Filmproduktionen. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet und gehört seit Jahrzehnten zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Films.
Einlass Foyer: 18:30 Uhr / Einlass Saal: 19:00 Uhr