Hildebrandts Irrfahrt - von Bert Bresgen – Szenische Lesung
Wie der Hanauer Jäger Hildebrandt auszog, die amerikanischen Rebellen zu bekämpfen, und dabei den Ozean kennenlernte
Szenische Lesung
250 Jahre ist es dieses Jahr her, dass sich die amerikanischen Kolonien von der britischen Krone lossagten. Gegen sie brachen tausende hessische Söldner auf – in einen Krieg, der nicht ihrer war, aber auch in eine Welt, die für die meisten von ihnen zuvor kaum vorstellbar gewesen wäre. Im Jubiläumsjahr, in dem das Verhältnis USA-Deutschland von einer Art „Seekrankheit auf festem Land" (Kafka) befallen scheint, blicken wir auf dieses Kapitel hessischer Geschichte zurück, das zwischen Handel und Aufbruch, zwischen Schönheit und Schrecken changierte.
Im Zentrum steht der real existierende Hanauer Jäger Hildebrandt, der mit seinem fiktiven Burschen Caspar 1776 die stürmische Atlantiküberquerung antritt. Für einen Mann aus der hessischen Provinz, der nie zuvor das Meer gesehen hat, wird die Überfahrt zur Erschütterung aller Gewissheiten: Stürme, ungewohnte, bedenkliche Sitten, ein Ozean, der größer ist als alles Vorstellbare – und mittendrin ein Tagebuch, das er unbeirrt weiterführt, um das Ungeheuerliche in Worte zu fassen. Historische Dokumente, Friedrich Schiller am Hanauer Hof, surreale Szenerien und schwarzer Humor verweben sich zu einem Abend, der komisch und bewegend zugleich davon erzählt, was diese Reise für Menschen bedeutete, die man als Söldner verkaufte – und die aufgrund dieses Verkaufs zugleich zum ersten Mal in ihrem Leben die Welt sahen. Der Autor Bert Bresgen hat dazu das Original-Tagebuch Hildebrandts und andere historische Zeugnisse ausgewertet, in Szenerien fortgeführt und zugleich verfremdet.
Autor: Bert Bresgen
Regie: Anna-Sophie Sattler
Mit: Eric Lenke, Arno Feltrini, Anja Becker,
Carine Chardon, Tim Rost, Dada Vecerin und anderen
Die szenische Lesung im Dezember ist zugleich ein erster Ausblick auf "Frankfort-Washington", ein groß angelegtes Theaterprojekt, das im März 2027 Premiere feiert und das Verhältnis zwischen Hessen und den USA über drei Zeitebenen hinweg neu erzählt – vom Engagement der Hessen im Unabhängigkeitskrieg über die Frankfurter Jahre der Lincoln-Witwe Mary bis in die amerikanische Geisterstadt „Frankfort, Washington“ am Rand des Pazifiks.