Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer
Zwei Schwestern, eine Diagnose – gestellt von „Menschen der Sorte Arzt“: sie seien keine „richtigen Menschen“, sondern „Automaten“. Anna Behringer zeichnet in ihrem Stück die Eindrücke und Empfindungen neurodiverser Personen auf. Dafür nimmt sie konsequent die Perspektive der Geschwister ein, denen „normales“ Verhalten stets ab- und „falsche“ Gefühle zugesprochen werden. Eine Seelenschau in Versform hat die Autorin geschrieben. Eine, die Stiche setzt ins normative Herz unserer Gesellschaft. Anna Behringer zeigt sich erneut als sezierende Menschenbeobachterin. Ihr Alter Ego ist Regisseurin Thirza Bruncken. Und die inszeniert die Uraufführung eindrücklich als einen Rausch der Wahrnehmungen.
Sarah Heppekausen
Mit:
Vanessa Czapla, Samuel Sandriesser, Bettina Schmidt
Regie und Kostüme: Thirza Bruncken
Raum: Thirza Bruncken mit Ensemble und Team
Tanz: Romy Avemarg
Dramaturgie: Marleen Ilg
Licht: Mattheo Fehse
Video: Hannes Barginde
Ton: Anko Ahlert, Alexander Nemitz
Aufführungsdauer: 1 Stunde 30 Minuten
Sensible Inhalte: In „Aufzeichnungen aus einem weißen Zimmer“ werden Ausgrenzung, Psychiatrie, selbstverletzendes Verhalten und Suizid thematisiert.
Sensorische Reize: White Noise und laute Musikeinsätze, teilweise mit Bass. Kleinteiliges, unruhig collagiertes Bühnenbild. Exzessives Zittern des Ensembles. Fotokamera mit Blitz.
von Anna Behringer