DIE LETZTE TASSE TESTOSTERON
Michael Altinger
Kann man(n) mit Mitte 50 noch ein Lausbub sein? Michael Altinger
kann. Seit über 30 Jahren steht er auf der Bühne und hat sich wie kein
Anderer eine schelmische Spitzbübigkeit bewahrt, die längst zu seinem
Markenzeichen geworden ist. Als Meister der Alltagsbeobachtung
verlässt sich Michael Altinger auf seine nimmermüde Neugier: Er staunt
über die Menschen. Er staunt darüber, was die Menschen machen, was
sie sagen – und wie sie es sagen. Und oftmals kommt er aus dem
Staunen gar nicht mehr heraus.
Staunend stolpert der Spitzbub im besten Mannesalter auf der Bühne
also durch seine ebenso absurden wie unterhaltsamen sozialkritischen
Betrachtungen. Dass der erhobene Zeigefinger dabei nicht sein Freund
ist – die Selbstironie jedoch umso mehr –, hat ihm zahlreiche Fans weit
über die bayerischen Landesgrenzen hinaus eingebracht. Gleiches gilt
für seine Bühnenpräsenz: Rampensau durch und durch, zählt für den
energiegeladenen Heißsporn nur eines: Es muss rocken! Immer ganz
vorne an der Bühnenkante, redet und spielt und musiziert sich der
Altinger um Kopf und Kragen, stets die eigenen geistigen und
körperlichen Grenzen auslotend.
So leidenschaftlich sein Agieren auf der Bühne ist, so fein ist der rote
Faden, den Michael Altinger elegant in seine Programme webt: Seine
Geschichten entwickeln sich im Lauf des Abends ebenso wie seine
Bühnenfiguren, nehmen überraschende Umwege und steuern
unaufhaltsam auf einen dramaturgischen Höhepunkt zu. Aber auch die
Musik spielt eine wichtige Rolle: Zusammen mit dem Vollblut-
Gitarristen Andreas Rother feuert Michael Altinger einen fetten Sound
ins Publikum, der seiner Bühnenpräsenz in Sachen Naturgewalt in
nichts nachsteht.
Ausgezeichnet mit dem Passauer Scharfrichterbeil oder dem
Bayerischen Kabarettpreis, bekannt aus seinen eigenen TV-Sendungen
„Schlachthof“, „Altinger mittendrin“ oder „Die Komiker“ sowie
Gastauftritten unter anderem in „Die Anstalt“, „Nuhr im Ersten“ oder
„SWR Spätschicht“, gehört Michael Altinger seit vielen Jahren zur
ersten Garde des deutschen Kabaretts. Dass er nebenbei auch noch
Bücher schreibt, Theater spielt, Mitglied in den Ensembles der
Münchner Lach- und Schießgesellschaft sowie des Lustspielshauses
war – das sind nur einige wenige weitere Facetten aus dem
umfangreichen Œuvre des umtriebigen Tausendsassas, der immer
wieder für eine unterhaltsame Überraschung gut ist. Ein Lausbub eben.
Das neue Programm: Die letzte Tasse Testosteron
Wir haben die Geschichte bravourös gemeistert. Und darauf stoßen wir
an, mit alkoholfreiem Augustiner beim Yoga, backen unser eigenes
Sauerteigbrot nach dem Eisbaden und versprechen unseren Frauen
fast schon glaubhaft, dass ihre Zukunft eine gerechtere sein wird. Auch
mit uns.
Gerade haben wir im herabschauenden Hund das richtige Mindset für
uns gefunden, da kommt eine Weltlage daher, die wieder nach dem
Gestern schreit: nach tiefer gelegten Verbrennern, nach eiskalten
Hochstaplern, nach dicken Hosen und dünnen Hirnen und alten
Wahrheiten in neuen Medien.
Wer soll uns davor bewahren? Etwa wir selbst? Wie soll das gehen?
Bevor wir nach neuen Beschützern schreien, sollten wir uns um etwas
anderes bemühen: um ein Hormon.
Testosteron ist die Ursache, aber auch die Lösung! Es gibt nicht mehr
viel davon. Der Altinger hat es. In einer Tasse. Der letzten.
Copyright: Martina Bogdahn, München
Einlass: 17:30