Quelle: Veranstalter


George Taboris subversives Verwirr-Stück spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, zu einer Zeit vor der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. In einem Männerwohnheim in Wien mietet sich der junge Adolf Hitler ein, um sich an der Kunstakademie zu bewerben. Er trifft auf den jüdischen Buchhändler Schlomo Herzl, der sich mütterlich um den Provinzler zu kümmern beginnt. Er wird zum Schöpfer seiner charakteristischen Barttracht und unterrichtet ihn in demagogischen Kunstgriffen. Im weiteren Verlauf der mitunter grotesken Handlung wird Herzl das erste Opfer des sich allmählich ausprägenden Antisemitismus Hitlers. Im letzten Akt vermittelt Hitler eine Vorahnung von den Auswirkungen seines nunmehr geschulten "Talents", er macht Jagd auf ein Buchmanuskript von Herzl, in dem er rufschädigende Passagen vermutet. Schließlich verdeutlicht er mit kaum zu überbietender Perfidie, dass er nicht allein das Buch als Archiv von Erinnerungen zu vernichten gewillt ist, sondern auch das Judentum in seiner Gesamtheit.

„Mein Kampf" beschäftigt sich in komödiantischer Form mit dem Trauma der Shoah. Dabei wird Hitler interessanter Weise keineswegs als blutrünstiger Dämon, sondern im Gegenteil als unsympathischer, aber nicht durchweg abstoßender Wirrkopf dargestellt. An Brecht und Chaplin anknüpfend, entwickelte Tabori eine Hitler-Figur als komischen Charakter und bezieht sich damit auch auf eine Tradition jüdischen Humors, der er sich verpflichtet fühlt.

Nach dem großen Erfolg, den das Schülerprojekt „Nathan der Weise“ mit dem Theater Poetenpack in einer intensiven Workshop-Woche und der abschließenden gemeinsamen Aufführung des Stückes in verschiedenen Städten hatte, fiel die Entscheidung, dieses Grundkonzept auf Taboris „Mein Kampf“ zu übertragen. Gemein-sam mit Schauspielern des Theaters werden Jugendliche auf der Bühne stehen.

Regie: Andreas Hueck
Ausstattung: Janet Kirsten
Komposition: Bardo Henning

Es spielen: Reiner Gabriel (Schlomo Herzl), Teo Vadersen (Lobkowitz), Jörg Vogel (Adolf Hitler), Clara Schoeller (Gretchen), Andrea Seitz (Frau Tod, Tagespenner), Thomas Wiesenberg (Himmlischst, Tagespenner), Arne Assmann (Musiker, Leopold, Tagespenner)

Pressestimmen
Augsburger Allgemeine vom 17. November 2015 „Es zeigt sich, welche hervorragenden Darsteller das Potsdamer Poetenpack vorweisen kann: Jörg Vogel als Adolf Hitler glänzt vom ersten Auftritt an mit der meisterhaft stets leicht brechenden, überspannten Stimme, mit seinem Tonfall und dem ersten Rede-schwall, der unglaublich komisch wirkt. [...] Absolut sehenswert, eine hervorragende Truppe, die es versteht, ein so schwieriges Stück professionell und hochwertig auf die Bühne zu bringen.“

Kreisbote Landsberg vom 16. November 2015 „Das Stück [...] fordert vom Zuschauer viel: Ein nahezu unveränderliches Bühnenbild, eine sehr sparsame Ausleuchtung und den ungekürzten Text, womit die Schauspieltruppe auf knapp drei Stunden kam. Aber Tabori will erzählen, erinnern und unterhalten. Das gelang am Donnerstagabend zu hundert Prozent. Vor allem auch wegen Teo Vadersens herausragender Leistung als Schlomo: Mit aufgeklebter Nase gibt er den gewitzten und liebevollen Herzl, der Hitlers Hass stur mit Menschlichkeit begegnet.“

Donaukurier vom 1. März 2015 „Indem er die chaplineske Hitler-Pose eher sparsam nur zitiert, gewinnt Tilmar Kuhn mit seiner Figur umso mehr lächerlich gefährliches Eigengewicht. Prägnant gezeichnet in dieser Inszenierung von Andreas Hueck, der selbst den opportunen Lobkowitz gibt, sind sämtliche Figuren, die mal die schrägen, an den gesellschaftlichen Rand gedrängten Typen geben, dann wieder als Straßenmusikanten einem griechischen Tragödien-Chor gleich agieren. Die Inszenierung zeigt Mut zur Komödie, ja bis zur Klamotte reichenden Farce, besitzt eine feine Musikalität und verliert doch nie den gebotenen Ernst.“
Bergsträßer Anzeiger vom 30. Oktober 2013 „Das siebenköpfige Ensemble des Potsdamer Theaters Poetenpack schaffte es, mit einer fesselnden und grandiosen Inszenierung den äußerst schmalen Grat zwischen Lachen und Grauen, zwischen amüsant und todtraurig, Witz und Wahnsinn, schwindelfrei auszubalancieren.“

Westfälische Rundschau vom 11. April 2011 „In der Regie von Andreas Hueck hat das Ensemble Poetenpack dieses vielschichtige und dramaturgisch heikle Stück höchst eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. Der Großteil des Publikums schien von dieser Darstellung des ‚Anfangs vor dem Anfang‘ tief beeindruckt zu sein und würdigte mit starkem Applaus auch die außergewöhnlichen Leistungen der Schauspieler.“
Rheinische Post vom 5. April 2011 „Die Schwierigkeit besteht darin, die richtige Mischung von Tragik und Komik zu finden. (…) Der Spagat gelang.“

Einlass: 18.30 Uhr

Eventdaten bereitgestellt von: Reservix

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